„Heimat ist dort, wo die Rechnungen ankommen“. Dieses Zitat von Heiner Müller stand am Anfang der Veranstaltung, über die hier kurz berichtet wird. Es lässt bereits vermuten, dass das kein ganz einfaches Thema ist. Es wird seit einiger Zeit viel über Heimat geredet, weil mehr als früher der Bedarf dafür da zu sein scheint. Das ist auch Pfarrer Christian Heurich und Annett Immel nicht verborgen geblieben; und so haben sie im Festjahr das Themenjahr „Heimat“ ins Leben gerufen. Innerhalb des Themenjahres gibt es die Veranstaltungsreihe „Stolpener Gespräche“, die am 23.03.2018 mit dem 1. Gesprächsabend unter dem Titel „Vorsicht, Heimat!“ ihren Auftakt hatte. Und das Interesse war so groß, dass der Bürgersaal im Alten Amtsgericht zu klein geworden wäre und deshalb in die Kornkammer der Burg ausgewichen wurde. Ca. 100 Gäste waren gekommen.

Moderiert von Dr. Peter Ufer antworteten die frühere Grünen-Politikerin Antje Hermenau und der Theologe, frühere Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und jetzige Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, Frank Richter, erst auf Fragen des Moderators, bald aber auch auf Fragen aus dem Publikum. Was den beiden Gästen Heimat bedeutet, wurde von diesen recht schnell skizziert. Es entwickelte sich ein Gespräch vom Kleinen zum Großen, vom Persönlichen zur Welt. Danach wurde bald klar, dass der Redebedarf groß war. Der Bogen spannte sich über die Flüchtlingsproblematik, Ost/West, den vermeintlichen Mangel an Kultur, die Jugend von heute (die nur noch auf die Smartphones starrt statt „wie wir früher in Gummistiefeln auf der Wiese zu stehen“), den Sinn von demokratischen Wahlen bis hin zur Ukraine-Krise. Es war unterhaltsam, nie bösartig und gab vor allem durch Frank Richters kluge und ruhige Analyse viele Denkanstöße.

Der Ansatz, miteinander ins Gespräch zu kommen, wurde jedenfalls aus meiner Sicht bestens erfüllt. Die Definition von Heimat wurde zwar nicht allgemeingültig gefunden, aber das war nebensächlich. Beinahe hätte ich bei dem Statement zum Thema „Jugend“ Partei für selbige ergriffen, fühlte mich mit 46 dafür aber dann doch zu alt. Allerdings gehörte ich eindeutig zum jungen Teil des Publikums, was bei mir die Vermutung bestätigte, dass die richtig jungen Leute auf solche Gesprächsabende schlicht keine Lust haben. Gleichzeitig fände ich es sinnvoll und spannend, wenn sich Junge und Alte (und die dazwischen) in einer noch zu findenden Form unterhalten könnten. Wäre das was für Stolpen801?

Die Stolpener Gespräche in diesem Jahr wurden bereits am 20.04.2018 mit einem Vortrag über „Subjektive Dimensionen von Heimat“ fortgesetzt. Am 09.11.2018 findet dann eine Podiumsdiskussion mit Bürgerinnen und Bürgern statt („Heimat aus verschiedenen Blickwinkeln“).

Torsten Friedrich Stolpen800